Wie funktioniert der Index?

Der DGB-Index Gute Arbeit ermittelt, wie die abhängig Beschäftigten in Deutschland ihre Arbeitsbedingungen beurteilen.

Der DGB-Index Gute Arbeit liefert eine Kennzahl für die Qualität der Arbeit aus der Sicht der Beschäftigten. In allen Arbeitsdimensionen, an deren Gestaltung die Qualität der Arbeit zu messen ist (siehe Abbildung A), nehmen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine differenzierte Bewertung ihrer Arbeitssituation vor. So funktioniert das Verfahren:

Gefragt werden die Beschäftigten z.B. nach ihren Möglichkeiten, individuelle Fähigkeiten in die Arbeit einzubringen. Oder: Ist das Einkommen der Arbeitsleistung angemessen? Die Befragten geben an, ob und in welchem Maße das der Fall ist; antworten sie mit Nein oder mit “in geringem Maße”, werden sie gefragt, ob und wie sehr sie sich dadurch belastet fühlen.

Aus den Antworten werden auf der Basis gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse für jede Dimension und für jeden der drei Teilindizes – Ressourcen, Belastungen, Einkommen & Sicherheit (siehe Abbildung A) – Indexwerte ermittelt. Die drei Teilindizes gehen zu je einem Drittel in den Gesamt-Indexwert ein.


Abbildung A.


Auf der Skala von 1 bis 100 erhalten Werte im Bereich 80 und mehr das Prädikat Gute Arbeit. Werte zwischen 50 und 80 werden als Mittelmäßige Arbeit qualifiziert. Ein Indexwert unter 50, das heißt mit weniger als der Hälfte der zu vergebenden Punktzahl, wird als Schlechte Arbeit ausgezeichnet (siehe Abbildung B).

Das Verfahren eröffnet die Möglichkeit, auch für einzelne Beschäftigtengruppen – bestimmt durch Branche, Alter, Geschlecht usw. – einen eigenen Indexwert zu ermitteln.

Der DGB-Index Gute Arbeit ist repräsentativ für das Urteil der Beschäftigten in Deutschland.

Der DGB-Index Gute Arbeit basiert auf einer Repräsentativumfrage unter den abhängig Beschäftigten der Bundesrepublik, durchgeführt von einem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut. Befragt werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus allen Regionen, Branchen, Einkommensgruppen und Beschäftigungsverhältnissen. Entsprechend ihrem Anteil sind also auch geringfügig Beschäftigte, Leiharbeitnehmer und Teilzeitbeschäftigte vertreten. Der Index präsentiert damit ein genaues Bild der heutigen Arbeitswelt – erfasst werden also keineswegs nur die so genannten Normalarbeitsverhältnisse. Das statistische Verfahren gewährleistet, dass einzelne Gruppen, etwa gewerkschaftlich Organisierte, weder über- noch unterrepräsentiert sind.


Abbildung B.

Das Urteil der Beschäftigten zu ihren Arbeits- und Einkommensbedingungen erlangt erst durch den Blick auf ihre Ansprüche seine volle Aussagekraft.

Ermittelt wird darum gesondert auch das Anspruchsniveau der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dieses gibt an, welche persönlichen Vorstellungen von Guter Arbeit die Beschäftigten haben, und zwar unabhängig von ihrer derzeitigen Arbeitssituation. Es ist also zu unterscheiden: In den DGB-Index fließt ein, wie die Beschäftigten ihre Arbeitssituation in den fünfzehn Arbeitsdimensionen beurteilen (siehe Abbildung C, blaue Linie). Der Erhebung zum Anspruchsniveau dagegen lässt sich entnehmen, wie wichtig ihnen in welcher Dimension eine gute Gestaltung der Arbeit ist (siehe Abbildung C, grüner Balken).

Die Erhebung liefert damit, außer einen präzisen Befund zur Qualität der Arbeitsbedingungen, Antworten auch auf die beiden anderen entscheidenden Fragen:
  • Welches sind die Kernansprüche der Beschäftigten an Gute Arbeit?
  • In welchen Arbeitsdimensionen decken sich Anspruch und Wirklichkeit weitgehend, wo klaffen welche Anspruchslücken? 


Abbildung C.

Aufschluss über die Folgen Guter und Schlechter Arbeit liefert die Erhebung zu den Selbsteinschätzungen der Beschäftigten zu ihrem Arbeitserleben.

Das Arbeitserleben der Beschäftigten (z.B. Begeisterung, Frustration), ihre Arbeitsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit, aber auch ihre Unternehmensverbundenheit sind von ihren Arbeits- und Einkommensbedingungen abhängig. Wie und wie sehr?

Erhellendes dazu bietet der Vergleich zwischen den Urteilen der Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen einerseits und ihren Selbsteinschätzungen zu ihrem Arbeitserleben andererseits. Auch danach wird gefragt: Fühlen Sie sich oft leer und ausgebrannt nach der Arbeit, erhalten Sie Anerkennung, sind Sie begeistert? Würden Sie das Unternehmen wechseln, wenn Sie könnten? Gehen Sie davon aus, dass Sie das Rentenalter erreichen werden, wenn Sie unter ihren gegenwärtigen Arbeitsbedingungen weiter zu arbeiten haben?

Die Antworten gehen selbstverständlich nicht in die Berechnung des Index ein. Andernfalls wäre es unmöglich, Zusammenhänge zwischen den Urteilen der Beschäftigten über die Qualität ihrer Arbeit und ihren Selbsteinschätzungen, z.B. zu ihrer Arbeitszufriedenheit, zu prüfen.