Glossar

Anspruchslücke

Bleibt die Arbeitssituation der Beschäftigten in einer Arbeitsdimension hinter ihren Ansprüchen an deren Gestaltung zurück, entsteht eine Anspruchslücke. Der Wert der einzelnen Anspruchslücke ist nicht exakt zu quantifizieren. Die grafische Darstellung erlaubt dennoch eine Aussage darüber, in welcher Arbeitsdimension die Beschreibung der Situation besonders deutlich hinter den Ansprüchen der Beschäftigten zurückbleibt - und umgekehrt.

Anspruchsniveau

Das Anspruchsniveau sagt aus, welche persönlichen Vorstellungen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Guter Arbeit haben, und zwar unabhängig von ihrer jeweiligen Arbeitssituation. Bezogen auf einen bestimmten Bereich der Arbeitsbedingungen gibt das Anspruchsniveau Auskunft darüber, wie wichtig den Beschäftigten eine gute Gestaltung der jeweiligen Dimension ist (z.B. ein guter Informationsfluss). 

Arbeitserleben

Das (emotionale) Arbeitserleben der Beschäftigten, die Selbsteinschätzung ihrer Arbeitsfähigkeit, ihre Arbeitszufriedenheit und Unternehmensverbundenheit werden in der DGB-Befragung durch ein Set von Fragen ermittelt. Die Antworten gehen nicht in die Berechnung des Index ein - andernfalls wäre es unmöglich, Zusammenhänge zwischen den Urteilen der Beschäftigten über die Qualität ihrer Arbeit und ihren Selbsteinschätzungen zu ihrem Arbeitserleben zu prüfen.

Arbeitsdimensionen

Der DGB-Index Gute Arbeit erfasst das Urteil der Beschäftigten über ihre konkrete Arbeitssituation differenziert nach jenen Arbeitsdimensionen, an deren Gestaltung die Qualität der Arbeit zu messen ist. Die Auswahl der fünfzehn Dimensionen - von Qualifizierungs- & Entwicklungsmöglichkeiten bis Einkommen - folgt den Ergebnissen der Studie ”Was ist gute Arbeit?”, die von der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) durchgeführt wurde. Dabei wurde die Meinung der Beschäftigten dazu ermittelt, welche Arbeitsdimensionen für die Qualität der Arbeit maßgeblich sind.

Arbeitsqualität

Zuerst der Mensch - dieses Primat kommt auch im Sprachgebrauch zum Ausdruck. Daher: Arbeitsqualität ist gleichbedeutend mit der Qualität der Arbeits- und Einkommensbedingungen, wie sie die Beschäftigten beurteilen. Ebenso wie ”Gute Arbeit” bezieht sich ”Arbeitsqualität” also nicht etwa auf das Arbeitsprodukt.


Arbeits(un)zufriedenheit

Arbeitszufriedenheit ergibt sich aus dem Verhältnis der Ansprüche, die Menschen an eine Arbeit stellen, und den Erfahrungen, die sie machen. Die Arbeits(un)zufriedenheit der Beschäftigten ist also nicht mit ihrem Urteil über ihre Arbeits- und Einkommensbedingungen identisch. Es sind fünf verschiedene Zufriedenheitstypen zu unterscheiden: Stabil Zufriedene, Progressiv Zufriedene, Resignativ ”Zufriedene”, Konstruktiv Unzufriedene, Fixiert Unzufriedene.

Belastung

Belastungen sind Arbeitsanforderungen, die, wenn sie von den Arbeitenden als belastend empfunden werden, als ”negative Beanspruchung” gewertet werden - so will es der Sprachgebrauch der Arbeitswissenschaftler. Es gilt also zu unterscheiden: Im Teilindex Belastungen werden jene Aspekte der Arbeitsbedingungen gemessen, die unter Umständen von Beschäftigten als Belastung empfunden werden (z.B. die Anforderung, schwere körperliche Arbeit zu leisten). Das Ausbleiben dieser Anforderung (keine schwere körperliche Arbeit) ist jedoch noch keine Quelle von Wohlbefinden und Motivation - im Gegensatz zu den Ressourcen.

Berichterstattung

Die Erstveröffentlichung des DGB-Index Gute Arbeit im September 2007 markiert den Beginn einer neuen Phase der öffentlichen Berichterstattung zur Arbeitswelt. Nachhaltig verbessert der Index die Voraussetzungen für eine öffentliche Debatte zum Thema Gute Arbeit durch mehr Transparenz in der Arbeitswelt. Einmal im Jahr werden die repräsentativen Daten in Zusammenarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung erhoben. Die Ergebnisse werden hier auf der Homepage www.dgb-index-gute-arbeit.de publiziert, ebenso Studien u.a. zur Work-Life-Balance, zur Arbeitsfähigkeit bis zur Rente und zur prekären Beschäftigung. Die Website soll in Richtung einer Wissensdienstleistung zum Thema Gestaltung der Arbeitswelt; Medium für Berichte, Hintergründe und News zu den Arbeitsbedingungen ausgebaut werden.

Entwicklungsarme Arbeit

Arbeit ist eine wichtige Quelle menschlicher Entwicklung: Um ein Produkt herzustellen oder eine Dienstleistung zu erbringen, sind Wissen, Fähigkeiten und Kenntnisse nötig. Durch die Zusammenarbeit mit anderen können Menschen ihre kommunikativen und sozialen Kompetenzen weiterentwickeln. Die Arbeit ist dann besonders entwicklungsförderlich für den Menschen, wenn Qualifikations- und Einflussmöglichkeiten vorhanden sind, die Arbeitsaufgaben abwechslungsreich und manchmal auch herausfordernd sind oder wenn eigene Ideen in die Arbeit eingebracht werden können. Unter diesen Bedingungen gelingt es den Menschen besonders gut, ihr Wissen, ihr Können und ihre Persönlichkeit in der Arbeit zu entwickeln. Beim Fehlen dieser Voraussetzungen wird von entwicklungsarmer Arbeit gesprochen.

Gute Arbeit

Gut ist eine Arbeit, die den Ansprüchen der Beschäftigten gerecht wird und von ihnen mit einem Indexwert von 80 und darüber bewertet wird. Ein hohes Maß an Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten, eine sinnhaltige Arbeit, wenige körperliche und emotionale Belastungen, ein angemessenes Einkommen samt einem hohen Grad beruflicher Zukunftssicherheit, ein unterstützendes, entwicklungs- und lernförderliches Arbeitsorganisations-Umfeld - unter solchen Bedingungen sind in den meisten Fällen Beschäftigte tätig, die Gute Arbeit haben.

Mittelmäßige Arbeit

Arbeits- und Einkommensbedingungen, die nach dem Urteil der Beschäftigten mit Werten zwischen 50 und 80 zu quantifizieren sind, werden als mittelmäßige Arbeit bezeichnet. Mittelmäßige Arbeit weist im Vergleich zu den beiden anderen Qualitätsstufen weniger Einschlägiges auf. Häufig sind den Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten enge Grenzen gezogen, dafür sind sie etlichen belastenden körperlichen und emotionalen Anforderungen ausgesetzt. Die Arbeitsbedingungen bergen wenig Entwicklungs- und Lernförderliches, es fehlt an einem unterstützenden Führungsstil, die Einkommensbedingungen sind unzureichend, auch die Ungewissheit über ihre berufliche Zukunft belastet die Beschäftigten.

Indexwert

Das Urteil der Beschäftigten über ihre Arbeits- und Einkommensbedingungen wird auf der Basis gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse in einen Indexwert umgerechnet. Auf der Skala von 1 bis 100 erhalten Werte im Bereich 80 und mehr das Prädikat Gute Arbeit. Werte zwischen 50 und 80 werden als Mittelmäßige Arbeit qualifiziert. Ein Indexwert unter 50, das heißt mit weniger als der Hälfte der zu vergebenden Punktzahl, wird als Schlechte Arbeit ausgezeichnet.

Ressource

Im Teilindex Ressourcen werden jene Arbeitsdimensionen gemessen, deren gute Gestaltung zum Wohlbefinden der Beschäftigten beitragen. So können beispielsweise reichlich vorhandene Einfluss- und Qualifizierungsmöglichkeiten, ein unterstützender Führungsstil der Vorgesetzten und das Erleben von Kollegialität erheblich zum Entstehen von Zufriedenheit und Motivation beitragen. Darüber hinaus sind diese Faktoren auch hilfreich im Umgang mit Belastungen bzw. in Stresssituationen. Ressourcen sind wichtig für das Wohlbefinden und die Gesundheit. Das Fehlen von Ressourcen (z.B. keine Kollegialität, schlechter Führungsstil) kann von den Beschäftigten als ==> Belastung erlebt werden.

Schlechte Arbeit

Schlecht ist eine Arbeit, die nach dem Urteil der Beschäftigten mit einem Indexwert von 50 oder weniger beurteilt wird. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in dieser Qualitätsstufe haben in der Regel hohe Belastungen (wie Mangel an Respekt, körperliche Schwerarbeit, einseitige Belastungen oder emotionale Überforderung) auszuhalten, verfügen aber kaum über Entwicklungsmöglichkeiten in ihrer Arbeit. Sie erhalten ein Einkommen, das weder ihren Leistungen angemessen ist noch ihren Bedürfnissen gerecht wird, und leben häufig in großer Unsicherheit über ihre berufliche Zukunft. Bei ihnen fehlen nahezu alle Faktoren, durch die Arbeit zu einer Quelle des Wohlbefindens der Arbeitenden selbst werden kann.

Teilindizes

Die Beschäftigten geben eine differenzierte Bewertung ihrer Arbeitssituation in allen Arbeitsdimensionen ab, an deren Gestaltung die Qualität der Arbeit zu messen ist. Die Befragung schließt damit an ein von INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) entwickeltes Verfahren an. Auf der Basis dieser arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse werden für jede Dimension und für jeden der drei Teilindizes - Ressourcen, Belastungen, Einkommen und Sicherheit - Indexwerte ermittelt. In den Teilindex "Ressourcen" fließt u.a. die Beschreibung der Lern- und Entwicklungsförderlichkeit der Arbeit, der Führungs- und Betriebskultur, des sozialen Klimas, des Sinngehalts der Arbeit sowie der Arbeitszeitgestaltung ein. Daneben beschreibt der Teilindex "Belastungen" die wahrgenommenen körperlichen und emotionalen Anforderungen in der Arbeit und die Arbeitsintensität. Der dritte Teilindex "Einkommen- und Sicherheit" fasst die Angaben zur Einkommenssituation und zur Einschätzung der beruflichen Zukunft zusammen. Die Werte dieser drei Teilindizes fließen zu gleichen Anteilen in den DGB-Index "Gute Arbeit" ein. Das heißt, die wahrgenommene Qualität der Arbeit wird durch das Verhältnis von positiven Faktoren der Arbeitsgestaltung (Ressourcen), der Verbreitung von Belastungen und den Angaben zu Einkommen und Beschäftigungssicherheit bestimmt.